TIPPS ZUR BAUPLANUNG – AUSGABE 7

Erstellt von Simone Wibbe / 24. Oktober 2015 / Blog

Dachausbau

Der Dachausbau bietet eine preiswerte und architektonisch reizvolle Erweiterung der Wohnfläche. Sichtbare Dachkonstruktionen, Pfosten, Streben und Balken und die schrägen Dachflächen geben einer Dachwohnung einen ganz individuellen Charakter. Jedoch sind die baulichen Gegebenheiten und besondere Bauvorschriften zu beachten. ggf. benötigen Sie eine Baugenehmigung. Holen Sie sich frühzeitig Rat bei einem Architekten oder bei der Baubehörde! Für die Genehmigung sin u.a. entscheidend: Abstandsflächenregelung, die im Bebauungsplan festgelegte Geschossflächenzahl (GFZ), der Nachweis von zwei Fluchtwegen (Treppenhaus und Balkon, Terrasse oder Anleitermöglichkeit der Feuerwehr), Stellplatznachweis, Standsicherheitnachweis und Prüfstatik, Wärmeschutznachweis gemäß Energieeinsparverordnung (EnEV). Darüber hinaus dürfen durch den Dachausbau historische Bauwerke nicht beeinträchtigt werden.

Wichtige Voraussetzungen für einen wirtschaftlichen Dachausbau ist eine Dachneigung von über 30°, eine möglichst große Haustiefe und freie Giebelflächen. Die Raumhöhe über mindestens 2/3 der Grundfläche sollte 2,50 m ggf. bei Einfamilienhäusern 2,30 m betragen. Große Dachböden lassen ggf. sogar den Einbau eines weiteren Geschosses oder eine Galerie zu. Mit einer Dachanhebung kann zusätzlich benötigte Höhe gewonnen werden.

Der Treppenaufgang zum Dachgeschoss muss ggf. neu geschaffen werden. Die lichte Treppenweite muss 80 cm betragen. Das Steigungsverhältnis der Treppen muss den Vorschriften der Landesbauordnung entsprechen. Durch den Treppeneinbau ändert sich ggf. auch der Grundriss des darunter liegenden Geschosses.

Die Dachdeckung muss funktionsfähig sein. Ggf. sind im Rahmen des Dachausbaus Umdeckung oder Neueindeckung sowie die Verbesserung der Wärmedämmung und der Einbau einer Dampfsperre erforderlich. Alle ausgebauten Dächer benötigen besondere Wärmeschutzmaßnahmen (Wärmedämmung unter den Sparren, auf den Sparren oder zwischen den Sparren). Die letzte Geschossdecke, die den Fußboden des Dachgeschosses bildet, muss die neue Nutzlast aufnehmen. Eine evtl. Deckenverstärkung ist kostenintensiv und muss vom Statiker berechnet werden. Wenn bei der statischen Berechnung der Decke jedoch bereits ein Zuschlag für Zwischenwände berücksichtigt wurde, können nicht tragende Trennwände mit dem entsprechenden Gewichtszuschlag an jeder Stelle angeordnet werden. Insbesondere bei Wohnungstrenndecken ist zusätzlich auf ausreichende Trittschalldämmung zu achten. Der erforderliche Trittschallschutz muss nachträglich durch einen schwimmenden Estrich, ggf. als Trockenestrich, erreicht werden. Vorhandene dünne Wände können durch Vorsatzschalen schalltechnisch verbessert werden. Besonders wichtig ist eine großzügige Belichtung durch Dachwohnraumfenster, Dachgauben, Giebelfenster, ggf. auch durch einen Dachbalkon. Achten Sie beim Einbau großflächiger Fensteranlagen auf ausreichenden Sonnenschutz durch innen- und außenliegende Sonnenschutzanlagen oder die Verwendung spezieller Sonnenschutzgläser!

Die erforderlichen Ver- und Entsorgungsleitungen (Strom, Heizung, Gas, Wasser, Abwasser) müssen bis zum Dachgeschoss verlängert werden. Unter Umständen müssen neue Leitungen vom Dach bis zum Hausanschluss verlegt werden, wenn das bestehende Netz für die Versorgung der zusätzlichen Wohnfläche nicht ausreicht. Die meisten Ver- und Entsorgungsleitungen können zwischen den Verkleidungsmaterialien der Wände und Dachschrägen verlegt werden.

Auch als Besitzer eines Flachdach-Bungalows muss man nicht unbedingt auf das Wohnen unter Dachschrägen verzichten. Nach eingehender Prüfung der Statik und Nachfrage beim zuständigen Bauamt ist es möglich, im Rahmen einer Dacherneuerung mit einer zum Haus und der Umgebung passenden Dachform hierfür die Voraussetzungen zu schaffen.