TIPPS ZUR BAUPLANUNG – AUSGABE 10

Erstellt von Simone Wibbe / 4. Dezember 2015 / Blog

Das Lexikon für Gesundes Bauen und Wohnen / Lüftung und Raumklima

Die verstärkten Bemühungen um Einsparung von Heizenergie haben im Alltag dazu geführt, dass weniger gelüftet wird. Dichte Fensterkonstruktionen und geänderte Lüftungsgewohnheiten tagen zu einem geringeren Luftaustausch bei. Ausreichend Sauerstoff und schadstoffarme Atemluft sind jedoch wesentliche Grundlagen für gesundes Wohnen.Über einen angemessen Luftwechsel durch natürliche Lüftung -> Fensterlüftung. Lüftungsgeräte oder Lüftungsanlagen -> Kontrollierte Wohnungslüftung müssen Luftschadstoffe abgeführt werden. Die Anforderungen an ein gesundes Raumklima lauten:

  • Frischluftbedarf: ca. 30cbm pro Person und Stunde
  • Relative Luftfeuchtigkeit: wischen 30% und 60%
  • Raumtemperaturen: je nach Tätigkeit zwischen 14°C und 24°C

Gesetzliche Regelungen schließen jedoch nicht aus, dass infolge von Baufehlern, durch Verwendung oder Anwendung nicht gebräuchlicher, nicht bewährter oder nicht zugelassener Baustoffe, Bauteile und Bauarten, durch die Erprobung neuer, evtl. ungeeigneter Materialien oder im Zusammenhang mit mit neuen Erkenntnissen Gesundheitsgefahren eintreten.In solchen Fällen haben die Bauaufsichtsämter und die Gesundheitsämter nach pflichtgemäßem Ermessen unverzüglich Maßnahmen zu treffen. Von bewährten und allgemein gebräuchlichen Baustoffen gehen bei fachgerechtem Einbau nach heutigem Kenntnisstand keine gesundheitlichen Gefahren aus. Auch die Verwendung neuer Baustoffe ist unbedenklich, sofern sie von den zuständigen Behörden geprüft und ggf. zugelassen sind. Voraussetzung für ein gesundes Raumklima ist die Verwendung schadstofffreier Baustoffe und entsprechender Konstruktionen.

Fensterlüftung: Unter natürlicher Lüftung versteht man die Lufterneuerung durch das Öffnen von Fenstern, Energie sparend durch kurzen, kräftigen Luftwechsel bei vollständig geöffneten Fenster (Stoßlüftung), wobei auf Querlüftung geachtet werden sollte. Unser Tipp: Morgens 20 Minuten lüften und drei – bis viermal am Tag- je nach Raumnutzung – jeweils 10 Minuten!

Kontrollierte Wohnungslüftung: Zentrale oder dezentrale mechanische Lüftungsanlagen sind reine Abluftanlagen oder kombinierte Zu- und Abluftanlagen ggf. mit Wärmerückgewinnung. Die Regelung der Luftmengen erfolgt durch Mehrstufenschalter oder regelbare Zu- und Abluftventile. Ein Zentralgerät mit Zu- und Abluftventilatoren, Luftfiltern, einem Wärmetauscher, der Regelungstechnik und einem Nacherwärmer wird auf dem Dachboden, im Keller oder einem Nebenraum aufgestellt. Die Frischluft wird an Stellen größter Luftverunreinigung (Bad, WC, Küche) angesaugt, gefiltert, erwärmt und strömt über das Zuluftkanalsystem durch Luftventile in die Wohn- und Schlafräume. Die verbrauchte Luft wird von den Abluftventilen aufgenommen, durch die Abluftkanäle zum Zentralgerät transportiert und über einen Wärmetauscher ins Freie geleitet. Bei Anlagen mit Wärmerückgewinnung kann eine nachgeschaltete Wärmepumpe der Abluft weitere Wärme entziehen, die zur Erwärmung der Zuluft genutzt wird. Vorteile der kontrollierten Wohnungslüftung sind neben Heizenergieeinsparung die Vermeidung von Bauschäden durch unzureichendes Lüften, kürzere Trockenzeit nach Fertigstellung des Rohbaus, Versorgung der Bewohner mit ausreichend Frischluft ohne Zugerscheinungen, beschwerdefreies Wohnen für Allergiker durch spezielle Pollenfilter, Minderung der Einbruchgefahr und Reduzierung der Lärmbelästigung durch offen stehende Fenster.

Luftschadstoffe:Emissionquellen für Luftschadstoffe können in einer Wohnung entstehen durch:

  • die Bewohner selbst (Kohlendioxid, Wasserdampf, Tabakrauch)
  • Abgase aus Feuerstätten (Ofen, Kamine, Gasherde)
  • Koch- und Waschvorgänge
  • Putz- und Pflegemittel, Kosmetika
  • Staub und Mikroorganismen aus textilen Materialien (z.B. Polstermöbel Teppiche, Gardinen, Vorhänge) sowie von Pflanzen und Tieren (Hauptquelle der Allergien in der Wohnung).
  • Baumaterialien, Holzschutzmittel, Anstrichmittel, Kleber und Lacke

Die Belastung aus o.g. Emissionquellen ist mehr oder weniger unvermeidlich mit der Nutzung der Räume verbunden. Sie kann durch einen angemessenen Luftwechsel, in der Regel  durch natürliche Lüftung, auf unbedenkliche Wert reduziert werden.

Raumtemperaturen: Sollten der Raumnutzung angepasst sein und hängen zudem vom persönlichen Wärmebedürfnis des Einzelnen ab. Folgende Richtwerte werden empfohlen:

  • Kinderzimmer:                               20°C bis 22°C
  • Schlafzimmer:                                max. 16°C
  • Wohnzimmer:                                 20°C bis 22°C
  • Küche:                                              20°C
  • Bad:                                                  24°C
  • Flur:                                                  16°C
  • Hobby und Hausarbeitsräume:   16°C

Relative Luftfeuchtigkeit: Die maximale Menge an Wasserdampf, die Luft aufnehmen kann, hängt von der Lufttemperatur ab (100 %= Sättigungsfeuchte). Die relative Luftfeuchtigkeit gibt den Wasserdampfgehalt der Luft in Prozent der Sättigungsfeuchte an. Je höher die Lufttemperatur, desto mehr Feuchtigkeit kann sie aufnehmen. Wenn die Lufttemperatur steigt, sinkt die relativeLuftfeuchtigkeit, deshalb wird die Raumluft im Winter oft als zu trocken empfunden. Wenn die Lufttemperatur fällt, steigt die relative Luftfeuchtigkeit, deshalb bildet sich an kalten Oberflächen Kondenswasser.