LUFTWÄRMEPUMPE ODER ERDWÄRMEHEIZUNG?

Erstellt von Markus Wibbe / 8. September 2015 / Blog

Wärmepumpen sind eine echte Alternative zu Öl- und Gasheizungen. Am verbreitetsten sind die Luftwärmepumpe und die Erdwärmeheizung. Erstere ist günstiger in der Anschaffung, letztere günstiger im Verbrauch. Ein Vergleich lohnt sich.

Eine Wärmepumpe entzieht ihrer direkten Umgebung Wärme und gibt diese als Heizenergie wieder an ein Gebäude ab. Die Wärmequelle kann dabei die Erde selbst sein (Geothermie), aber auch Grundwasser (Hydrothermie) oder Luft (Aerothermie).

Die Funktionsweise ist bei allen Wärmepumpen gleich:

Um die Umweltenergie zu gewinnen, fließt durch Sonden oder Kollektoren ein Kältemittel, das die natürliche Wärme aufnimmt. In der Wärmepumpe selbst wird das Kältemittel dann verdichtet und auf ein höheres Temperaturniveau gebracht. Die gewonnene Wärme wird anschließend im Haus verteilt und gespeichert.

 

Erdwärmeheizung mit Sonden oder Kollektoren: Vorgaben und Kosten

Eine Erdwärmeheizung entzieht dem Erdreich entweder über senkrecht eingebrachte Erdsonden oder über waagerecht verlegte Kollektoren Wärme.

Da das Verlegen von Kollektoren viel Platz kostet, entscheiden sich viele Bauherren und Heizungsmodernisierer für Erdwärmesonden. Für deren Montage sind genehmigungspflichtige Erdbohrungen notwendig. Relevant sind das Wasser- und das Bergrecht: Liegt die Bohrtiefe unter 100 Metern, ist die Untere Wasserbehörde für eine wasserrechtliche Genehmigung zuständig. Bei tieferen Bohrungen das Landesbergamt. Die Regelungen unterscheiden sich in den einzelnen Bundesländern.

Durch die Erdbohrung und die vorausgehenden Bodenuntersuchung verursacht eine Erdwärmeheizung Anschaffungskosten von circa 25.000 Euro. Dafür liegt ihre Lebensdauer bei 20 Jahren.

Vorgaben und Kosten einer Luftwärmepumpe

Eine Luftwärmepumpe, die die Wärmeenergie der Umgebungsluft entnimmt, sind nicht genehmigungspflichtig, weil keine Erdbohrungen notwendig sind.

Auch Anlage und Installation verursachen deutlich geringere Kosten: Eine Luftwärmepumpe mit einer Leistung von 12 kW kostet inklusive Wärmespeicher circa 15.000 Euro. Ihre Lebenserwartung liegt bei 15 Jahren.

 

Jahresarbeitszahl (JAZ): Effiziente Wärmepumpen

Angetrieben wird eine Wärmepumpe mit Strom. Dabei ist die Menge der dem Umgebungsmedium entnommenen Energie bedeutend höher als die Menge des eingesetzten Antriebs-Stroms. Dieses Verhältnis von Umweltenergie und eingesetztem Strom heißt Jahresarbeitszahl (JAZ). Eine JAZ von vier bedeutet, dass drei Teile Umweltenergie durch den Einsatz von einem Teil Strom nutzbar gemacht werden können.

Für ein Gebäude mit einem jährlichen Heizenergiebedarf von 12.000 Kilowattstunden muss eine Wärmepumpe mit einer JAZ von vier also rund 3.000 Kilowattstunden Strom aufwenden. 12.000 Kilowattstunden sind übrigens die Energiemenge, die man auch in rund 1.200 Litern Heizöl vorfindet und ein realistischer Jahresverbrauch für ein gut gedämmtes Einfamilienhaus mittlerer Größe.

 

Klarer Sieger beim Stromverbrauch: Erdwärmeheizungen

Ein weiterer Faktor für einen Vergleich der beiden Wärmepumpenarten sind die Stromkosten. Erdwärmeheizungen haben in der Regel eine höhere JAZ als Luftwärmepumpen. Der Grund: Im Erdreich herrschen das ganze Jahr über relativ konstante Temperaturen, bereits 50 Meter unter der Erde liegen sie hierzulande konstant bei rund plus zehn Grad. Luftwärmepumpen arbeiten dagegen im Winter, also dann, wenn man am meisten Wärmeenergie benötigt, nicht so effizient: Kalter Luft kann nicht so viel Wärme entnommen werden, der Verdichter muss sich wesentlich mehr anstrengen, um überhaupt noch für Heizzwecke nutzbare Wärme zu entnehmen. Dabei verbraucht er auch mehr Strom, was den Wirkungsgrad der Anlage sinken lässt. An besonders kalten Tagen kann es sein, dass die Luftwärmepumpe ihre Arbeit nicht mehr gänzlich nachkommen kann. Dann muss mit reinem Strom zugeheizt werden.

Viele Erdwärmeheizungen haben eine JAZ von ungefähr vier, bei Luftwärmepumpen liegt sie oft nur bei rund drei. Ob Wärmepumpen umweltfreundlicher sind als Öl- oder Gasheizungen, hängt auch davon ab, wie der Strom für den Antrieb erzeugt wird. Wird ausschließlich Strom aus regenerativen Quellen verwendet, ist die Wärmepumpe sehr umweltfreundlich. Stammt der Strom aus alten Kohlekraftwerken, kann die Wärmepumpe sogar umweltschädlicher sein als Öl- oder Gasheizungen.

 

Fazit

Welche Variante langfristig die wirtschaftlichere ist, muss für jedes Haus individuell berechnet werden. Fünf Aspekte sollten Bauherren und Heizungsmodernisierer dabei berücksichtigen:

  • Anschaffung: Hier ist die Luftwärmepumpe günstiger als eine Erdwärmeheizung.
  • Installationsaufwand: Dieser ist bei einer Luftwärmepumpe geringer als bei einer Erdwärmeheizung.
  • Kosten für den Unterhalt: Diese sind bei einer Erdwärmeheizung geringer als bei einer Luftwärmepumpe.
  • Stromverbrauch: Er ist bei einer Luftwärmepumpe höher als bei einer Erdwärmeheizung.
  • Lebensdauer: Diese ist bei einer Erdwärmeheizung höher als bei einer Luftwärmepumpe.

 

 

 

 

Quelle: bauen.de